Über die Lofoten und Vesterålen

Die Menschen und der Fisch

Das Leben der Menschen auf den Inseln ist von jeher eng mit dem Fischfang verbunden gewesen. Die Menschen der Steinzeit und später die Wikinger lebten zum Teil vom Fischfang. Wahrscheinlich waren die Wikinger die ersten Stockfischexporteure, auf jeden Fall hatten sie ihn für den Eigenbedarf bei ihren Reisen im Gepäck. Den eigentlichen Durchbruch schreibt man allerdings dem Italiener Petro Querini zu, der im Jahre 1431 vor den Lofoten Schiffbruch erlitt und auf der Insel Röst strandete. Später kehrte er nach Italien zurück und soll dort den »stoccafisso« bekannt gemacht haben.

Getreide wuchs und wächst schlecht in Nordnorwegen, aber die Nähe zu den Fischgründen und das für das Trocknen des Stockfischs richtige, kühle aber nicht zu kalte Klima gab den Menschen eine Lebensgrundlage. Sie exportierten den getrockneten Dorsch, importierten Getreide und hatten so ihr täglich Brot. Ansonsten waren die Menschen in ganz Nordnorwegen Selbstversorger. Im Winter verdienten die Männer Geld beim Lofotfischfang, die Frauen kümmerten sich um den Hof und die Kinder. Wenn die Fischer zu ihren Höfen zurückkehrten kümmerten sie sich um das Heu für den Winter. Zwischendurch fischten sie für den Eigenbedarf, sammelten die Eier der Seevögel. Auch die Jagd auf Vögel war Teil der Selbstversorgung auf den teilweise sehr entlegenen Höfen.

Dass mit dem Trockenfischhandel viel Geld zu verdienen war erkannten schon früh die Kaufleute aus dem fernen Bergen, die hierauf über Jahrhunderte ein Monopol hatten. Im Gegenzug versorgten sie die Nordländer mit Handelsware, Getreide und Branntwein. In mageren Jahren gaben sie großzügig Kredit, allerdings mit der einzigen kleinen Bedingung, dass die Fischer in Zukunft ausschließlich an sie verkaufen durften. Zum vom Händler festgesetzten Preis versteht sich.
Bis weit in das 20. Jahrhundert waren es die offenen Nordlandboote, die von ihrer Form an die seetüchtigen Wikingerschiffe erinnern, mit denen die Fischer auf das Meer hinausfuhren. Von der Küste des Nordlandes segelten und ruderten die Männer alljährlich für mehrere Wintermonate zu den Lofoten, wo sie in einfachen Holzhütten hausten und täglich zum Fischfang hinaus ruderten. Gefischt wurde mit Netzen und Angelleinen.
Waren die Fänge gut, verdienten die Fischer gut. Fast ein Viertel der Bevölkerung Nordlands war im Winter auf den Lofoten zum Fischfang. Aber in machen Jahren blieben die Netze oft leer und die winterlichen Stürme hinderten die Fischer am hinaus rudern. Jedes Jahr ertranken viele in der kalten See. Als die Schuldenlast der Fischer in Bergen endlich gestrichen wurde, war längst eine neue Abhängigkeit entstanden: Die reich gewordenen Kaufleute auf den Inseln selbst besaßen nun ganze Fischerdörfer und diktierten dort die Preise.

Der Dorsch wurde und wird in den Wintermonaten gefangen, ausgenommen und paarweise auf Holzgestellen zum Trocknen aufgehängt. Eine andere Variante ist der Klippfisch. Dieser wurde aufgeschnitten und das Rückgrat heraus getrennt. Dann wurde er eingesalzen und auf den Klippen zum Trocknen aufgestapelt. Heute gibt es spezielle Trocknungsanlagen für diese gesalzene Variante.
Nach 6 bis 8 Wochen hat der Fisch 70 Prozent seines Wassergehalts verloren. Er hat dann nur noch einen Bruchteil seines Gewichts und Volumens und erinnert dann eher an Brennholz als an Fisch – für den Export also bestens geeignet.
Diese ökologische Methode der Haltbarmachung großer Mengen frischen Fisches hat sich erstaunlicherweise bis heute erhalten. Bereits im Mittelalter spielte der Stockfisch in der katholischen Welt eine wichtige Rolle als Fastenspeise. Dadurch hat er sich einen festen Platz in der Küche der Menschen in Südeuropa erobert und ist dort immer noch sehr gefragt. Wer das norwegische Lohnniveau kennt, kann sich denken das er schon lange kein Arme-Leute-Essen mehr ist. Hauptabnehmer ist nach wie vor Italien, aber auch Spanien, Portugal, Frankreich, Afrika und Südamerika sind wichtige Abnehmer. Auch die Köpfe, die Dorschleber und der Rogen werden verarbeitet.

Literaturtipp: Johan Bojer: Die Lofotfischer (norwegisch: Den siste Viking - Der letzte Wikinger).
Eindrucksvoll beschrieben wird das Leben des Fischers Kristaver und seiner Mannschaft auf dem Boot »Kobben«. Auf deutsch ist das Buch leider nur noch antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich.

Reisetipp: Das Lofoten Tørrfiskmuseum in Å ist das einzige Trockenfischmuseum der Welt. Hier erfährt der Besucher einfach alles rund um den Trockenfisch. Der Museumsdirektor, Steinar Larssen, war selbst Trockenfischexporteur und lässt es sich nicht nehmen, die meisten seiner Gäste persönlich durchs Museum zu führen.


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